Lebensstationen

Eine meiner ersten Stationen war Paris, das „Studio Magenia“ von Ella Jaroscewicz, wo ich Pantomime, Tanz, Akrobatik, Fechten und Maskenspiel studierte. Eine spannende Zeit, in der ich zahlreiche Tanz und Theatervorstellungen sah. Aber auch erfahren musste, dass Paris weder „An American in Paris“ war noch Gene Kelly auf den Dächern tanzte.

Große Lust und Neugier, Bewegung zu erforschen, brachte mich nach Holland, an die Rotterdamse Dansacademie, wo ich mich auf Modernen Tanz, Tanztheater und Improvisation spezialisierte. Außerdem erweiterte ich bei Marianne van der Velde und später bei Jean-Paul Denizon (Assistent von Peter Brook) meine schauspielerischen Fähigkeiten, den Umgang mit Emotionen, Atem und Raum.

Mit Marianne van der Velde erarbeitete ich ein Solo zu Musik von Brecht/Weill, in dem ich die Kraft der Verletzlichkeit zeigte.

 

Meine erste Begegnung mit Film fand 1992 mit Peter Greenaway statt, beim Dreh von „Darwin“ in Amsterdam. Trotz endlosen Wartens und Aufnahmen in den frühen Morgenstunden war diese Erfahrung so aufregend und wundervoll, dass ich dachte, alles wäre nur ein Traum gewesen. Bis heute prägen meine Erfahrungen in den Niederlanden, das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen und Hautfarben, die gleichwertige und freie Art über unterschiedliche Formen des Theaters zu denken, mein Weltbild.

 

Dort arbeitete ich auch mit brasilianischen Performern, die nicht fragten: Bin ich nun Tänzer, Schauspieler oder Sänger? Sie nutzten einfach die Mittel, die für sie als Ausdrucksform passten. Ich staunte über die Art, wie diese Menschen sich überall zurecht fanden, hörte über das Land, die Leute, die Musik....und der Wunsch Brasilien, dieses bunte und so faszinierend erscheinende Land, kennen zu lernen, wuchs.

 

Doch bevor es soweit war, wurde ich für ein internationales Theaterfestival ausgewählt, bei dem junge Künstler aus ganz Europa aufeinandertrafen. In „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus spielte ich verschiedenste Rollen. Da die Szenerie in einen Zirkus verlegt worden war, lernte ich Seiltanzen, auf großen Bällen balancieren und schwang mich auf einem Seil als „Wildschütz Jennerwein“ durch die Manege. Darüber hinaus ergriff ich die Gelegenheit, mit dem Clown/Kabarettist Christoph Sieber einen Revue-Abend zu gestalten und versammelte eine wunderbar verrückte Gruppe aus Teilnehmern des Festivals zu Improvisationsperformances.

 

Doch die Welt wollte entdeckt werden - auf nach Brasilien! Nach einigen Monaten als Bogenschießlehrerin und Showtänzerin für den Club Mediterranée reiste ich durchs ganze Land, mit einem Abstecher zum Tango nach Buenos Aires. Ich wollte das Geheimnis der brasilianischen Lebensart erkunden. Natürlich interessierte ich mich auch für Tanz, Theater, Film in den verschiedenen Regionen Brasiliens.

 

In Salvador de Bahia blieb ich 5 Monate, gab dort Körper- und Performancetraining für Schauspieler und Regisseure, tanzte als Gast bei der amerikanischen Zendora Dance Company und lernte afro-brasilianische Tänze. Nach einem Jahr führte das Leben mich nach München zurück, wo ich mich an der Ludwig-Maximilian-Universität im Fach Interkultureller Kommunikation einschrieb, um mich mit meinen deutschen Wurzeln auseinander zu setzen.

 

Ich nahm Unterricht bei Lehrern der Otto-Falckenberg-Schule, um die Bühnenreifeprüfung als Schauspielerin abzulegen. Ein Wendepunkt in meiner tänzerischen Entwicklung war das Zusammentreffen mit dem britischen Choreografen Russell Maliphant. Sein harmonischer und klarer Tanzstil in Kombination mit Kontakt-Improvisation und Rolfing, faszinierte mich vom ersten Moment an und begleitete mich die folgenden Jahre.

 

2000 erfüllte sich ein damaliger Traumjob ( „sollte ich mal Enkelkinder haben, will ich ihnen das erzählen können!“ ): Für das Stunt-Team von Mac Steinmaier moderierte ich nebst Warm-up über 500 Life- Action –Shows in Deutsch sowie manchmal in englisch.

 

2002 konnte ich mit dem „Teatro de los Sentidos“ von Enrique Vargas arbeiten. Ein alle Sinne ansprechendes Theater, das Geheimnis der Stille mit einer bunten Truppe aus der ganzen Welt. Ich war die Geschichtenerzählerin in „Oraculos“. „Ich kenne ihre Stimme“ meinte Ruth Stadler, die Assistentin von Doris Dörrie, beim Casting für „Ein seltsames Paar“ und wiederholte die Geschichte, die ich für sie als Orakel auf dem Münchner Tollwood -Festival erzählt hatte. Das war ein besonderer Moment.

 

2006 brachte der Regisseur Franz Xaver Bogner mit seinem untrüglichen Gespür für Leute und ihre Geschichten einen neuen Impuls in mein Leben, indem er mir die Rolle der Centa Spitzauer in seiner neuen Serie: „Der Kaiser von Schexing“ gab. Endlich einmal bayrisch spielen dürfen, das bedeutete auch: Dableiben. Die beliebte Serie geht inzwischen in die 5. Staffel. Und wenn der Franz sich so tolle Geschichten ausdenkt, dann lernt man da auf einmal Schuhplattln und findet sich zwei Folgen lang in einer maßgeschneiderten Tracht wieder und kommt sehr zum Nachdenken, wo und wie man eigentlich aufgewachsen ist.

 

Für die Zukunft wünsche ich mir weiterhin vielseitig und offen zu bleiben und freue mich auf neue Erfahrungen und Herausforderungen. 

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